2. März 2026

Der verschwundene Blick

Ich gehe durch die Stadt und blicke die Menschen an.

Aber kaum jemand sieht zurück.

Vielleicht, weil der Blick heute fast nur noch zwei Dinge bedeuten darf:

Flirt – oder Angriff.

In vielen Kulturen gilt er ohnehin als Tabu.

Aber hier, bei uns, war das einmal anders:

Freundlicher. Offener.

Ein stilles Zeichen von Menschlichkeit.

Heute gibt es echten Blickkontakt fast nur noch im Verkaufsgespräch.

Ich halte dagegen. Noch.


Bei Friedrich Engels lese ich am 15.01.2026:

„Diese Hunderttausende von allen Klassen und aus allen Ständen, die sich da aneinander vorbeidrängen, sind sie nicht alle Menschen mit denselben Eigenschaften und Fähigkeiten und mit demselben Interesse, glücklich zu werden? Und haben sie nicht alle ihr Glück am Ende doch durch ein und dieselben Mittel und Wege zu erstreben? Und doch rennen sie aneinander vorüber, als ob sie gar nichts gemein, gar nichts miteinander zu tun hätten, und doch ist die einzige Übereinkunft zwischen ihnen die stillschweigende, daß jeder sich auf der Seite des Trottoirs hält, die ihm rechts liegt, damit die beiden aneinander vorbeischiebenden Strömungen des Gedränges sich nicht gegenseitig aufhalten; und doch fällt es keinem ein, die andern auch nur eines Blickes zu würdigen.“ (Marx/Engels, Werke, Bd. 2, Berlin 1962, S. 257)

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